Friday, 26 April 2013

Apologie des Dechawat



Anlässlich des aktuellen Blogs des geschätzten Kollegen Gunnar Beuth (@sportal_gunnar), in dem er etwas provokativ fragt “[ist das] Noch Snooker oder schon Zirkus?”, möchte ich in diesem Rahmen eine Verteidigungsrede für Jack Poomy (aka Dechawat Poomjaeng) schreiben.


Beuth schreibt, völlig korrekt, dass Snooker seit jeher ein Sport ist, indem nicht alles erlaubt ist, was den Regeln nach nicht verboten ist - oftmals zusammengefasst unter dem Begriff “Gentlemen’s sport”. Gerade Dechawat hat aber, so finde ich, zumindest in den Frames, die ich bisher von ihm gesehen hab, nicht dagegen verstoßen. Sicherlich: er macht hin und wieder Faxen und zeigt seine Emotionen wohl deutlicher als jeder andere Spieler auf der Tour - und ist damit gewissermaßen die Antithese zu den meisten anderen Asiatischen Spielern.


Und doch ist er ein fairer Spieler. Er entschuldigt sich sofort für Flukes (z.T. sogar, wenn man streiten kann ob es sich um Flukes handelt - z.B. in einer Situationen, in der eine günstige Carambolage eine etwas bessere Stellung hervorbrachte). Er hat ein Foul gegen M. White angezeigt, bei dem Schiedsrichterin Michaela Tabb nicht sicher war, ob es denn eines war (rot und pink wurden fast gleichzeitig berührt). Und: all seine Faxen macht er nur, wenn er selbst am Tisch ist, zumindest habe ich nie gesehen, dass er den Gegner bei der Stoßvorbereitung oder gar beim Stoß irritiert. Selbst den obligatorischen Hand-shake hat er stets 1-2 Portionen herzlicher ausgeführt, als das bei anderen Spielern der Fall ist. Daher finde ich: der Gegner muss das abkönnen.


Was man bei der ganzen Sache nicht vergessen darf: Poomy ist ein solider Spieler, aber kein Weltstar. Seine Schwächen im Positionsspiel und im “Decision-making” sind unübersehbar und es würde mich nicht wundern, wenn er es nie wieder ins Crucible schafft (im Gegensatz zu M. White). Das ganze ist eine “Once in a lifetime”-Chance für ihn und es ist nur verständlich, dass er in gewissem Maße Aufmerksamkeit auf sich ziehen will. Spieler außerhalb der Weltspitze müssen auch immer sehen, wie sie mit ihrem Geld auskommen und das ganze ist eine gute Gelegenheit für ihn sich für mögliche Sponsoren interessant zu machen. Zumal er bei der WM auch ein Land repräsentiert, dass seit James Wattana keinen Achtelfinalisten mehr hatte und das auch außerhalb des Snookers nur wenige international bekannte Spitzensportler aufweisen kann (mir fällt spontan zumindest keiner ein).


Er begeistert die Zuschauer und selbst Spieler wie Mike Dunn und Judd Trump haben sich positiv über ihn geäußert. Gegen Maguire hat er vielleicht das beste Spiel seiner Karriere hingelegt, gegen White in der ersten Session übermotiviert gewirkt - ist Bälle angegeangen, die er besser nicht angegangen wäre und gegen Maguire auch nicht angegangen ist - und hat hier und da auch etwas Pech gehabt. Ich glaube nicht, dass er das Spiel wird drehen können und das Phänomen Jack Poomy wird damit von begrenzter Dauer sein. Trotzdem hat es einen Heidenspaß gemacht ihm zuzusehen und ich freu mich auf die beiden ausstehenden Sessions mit ihm. Er hat die WM um eine besondere Note bereichert.

Thursday, 17 January 2013

Die Päckchentheorie

It has been a while since my last blog, but dont forget I never intended to this on a regulary basis. So today I'm gonna come up with something new and it will be in German as its German-related.

Die Päckchentheorie

Rolf Kalb, unser aller Lieblingsmoderator auf Eurosport, spricht öfters von ihr. Sie besagt, dass es oftmals so sei, dass Spieler in langen Spielen ihre Frames in Päckchen gewinnen und nicht abwechselnd. Ich will es mir im Folgenden zur Aufgabe machen das zu überprüfen. 

Wenn das stimmt würde das bedeuten, dass ein ein Spieler nachdem er einen Frame gewonnen hat, im anschließenden Frame eine erhöhte Wahrscheinlichkeit auf den Sieg hat, denn ansonsten würde ja kein Päckchen entstehen.

Was man jetzt braucht ist eine Liste von Snookerspielen, in dem jeder einzelne Frameergebnis bekannt ist. Zum Glück hab ich Chris Downers Snooker Almanach hier rumliegen, der dies für alle Weltmeisterschaftsspiele von 1977-2011 leisten kann.

Nun muss man noch ein paar Kleinigkeiten beachten: ich habe ausschließlich Spiele untersucht, die sich erst im Decider entschieden haben? Warum? Nun dass es bei einem 10:0 nur ein Päckchen (in dem Fall dann schon eher Paket) gibt ist selbsterklärend. Auch bei einem 10:5 müssen zwingend Päckchen vorhanden sein. Bei einem 10:9 oder anderen knappen Spielständen kann das vermieden werden.

Nun ist die Grundannahme, dass in solchen knappen Spielern wo jeder Spieler fast gleichviele Frames gewinnt, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Spieler nach einem Frameerfolg auch den nächsten gewinnt etwa 50% beträgt. Sollte die Päckchentheorie hingegen stimmen, sollte die Wahrscheinlichkeit signifikant höher sein (z.B. 60%). 

Ich habe nun also 27 Spiele untersucht, alle Spiele die bei den Weltmeisterschaften zwischen 2006 und 2011 im Decider entschieden wurden und jeden Frame darauf geprüft ob der Spieler ihn gewonnen hat, der auch den vorherigen gewann. Wenn das so war steht eine 1 in meiner Excel-Tabelle, wenn nicht dann eine 0. Am Ende wird das aufsummiert und durch die untersuchte Anzahl an Frames geteilt (aufpassen: bei einem 10:9 teilt man durch 18, da man den ersten Frame ja nicht darauf untersuchen kann wer den vorherigen "Frame null" gewann). 

Letzter technischer Hinweis: Ich habe der Einfachheit halber auch Sessionübergreifende Päckchen/Nicht-Päckchen untersucht.

Das Ergebnis

Von 588 untersuchten Frames gewann in 285 Fällen der Spieler, der den vorherigen gewann. Das sind 48,47 % und somit sogar ein kleines bisschen weniger, als statistisch vorhergesagt (wobei 1,5 % Abweichung bei der Stichprobengröße völlig normal sein sollte) 

In einzelnen Spielen schwankt das Ergebnis einigermaßen stark:

28 %, das päckchenärmste Spiel (2008 Ebdon gegen Cope)
0:1 0:2 0:3 1:3 1:4 2:4 2:5 3:5 4:5 4:6 5:6 5:7 6:7 7:7 8:7 8:8 9:8 9:9 10:9
hierbei gewann der zuvor siegreiche Spieler den nächsten Frame insgesamt 5 mal (von 18)

72 %, das päckchenreichste Spiel (2008 Carter gegen Hawkins)

0:1 0:2 0:3 1:3 2:3 3:3 4:3 5:3 6:3 7:3 7:4 7:5 7:6 8:6 9:6 9:7 9:8 9:9 10:9
entspricht 13 von 18

Fazit

Die Päckchentheorie lässt sich, vorausgesetzt man kann mir keine methodischen Fehler nachweisen, anhand meiner Daten nicht bestätigen. 

Das bedeutet nicht, dass es keine Päckchen gibt, sondern nur, dass sie im Snooker nicht wahrscheinlicher sind als z.B. beim zufälligen Werfen einer Münze (da kann mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch 3x Kopf und dann 3x Zahl hintereinanderkommen ohne das jemand auf die Idee käme, die Münze würde Ergebnisse in Päckchenform abliefern.)