Anlässlich des aktuellen Blogs des geschätzten Kollegen Gunnar Beuth (@sportal_gunnar),
in dem er etwas provokativ fragt “[ist das] Noch Snooker oder schon
Zirkus?”, möchte ich in diesem Rahmen eine Verteidigungsrede für Jack
Poomy (aka Dechawat Poomjaeng) schreiben.
Beuth
schreibt, völlig korrekt, dass Snooker seit jeher ein Sport ist, indem
nicht alles erlaubt ist, was den Regeln nach nicht verboten ist -
oftmals zusammengefasst unter dem Begriff “Gentlemen’s sport”. Gerade
Dechawat hat aber, so finde ich, zumindest in den Frames, die ich bisher von ihm
gesehen hab, nicht dagegen verstoßen. Sicherlich: er macht hin und wieder
Faxen und zeigt seine Emotionen wohl deutlicher als jeder andere
Spieler auf der Tour - und ist damit gewissermaßen die Antithese zu den
meisten anderen Asiatischen Spielern.
Und
doch ist er ein fairer Spieler. Er entschuldigt sich sofort für Flukes
(z.T. sogar, wenn man streiten kann ob es sich um Flukes handelt - z.B.
in einer Situationen, in der eine günstige Carambolage eine etwas bessere
Stellung hervorbrachte). Er hat ein Foul gegen M. White angezeigt, bei
dem Schiedsrichterin Michaela Tabb nicht sicher war, ob es denn eines war
(rot und pink wurden fast gleichzeitig berührt). Und: all seine Faxen
macht er nur, wenn er selbst am Tisch ist, zumindest habe ich nie
gesehen, dass er den Gegner bei der Stoßvorbereitung oder gar beim Stoß irritiert. Selbst
den obligatorischen Hand-shake hat er stets 1-2 Portionen herzlicher
ausgeführt, als das bei anderen Spielern der Fall ist. Daher finde ich: der Gegner muss das abkönnen.
Was
man bei der ganzen Sache nicht vergessen darf: Poomy ist ein solider
Spieler, aber kein Weltstar. Seine Schwächen im Positionsspiel und im
“Decision-making” sind unübersehbar und es würde mich nicht wundern,
wenn er es nie wieder ins Crucible schafft (im Gegensatz zu M. White).
Das ganze ist eine “Once in a lifetime”-Chance für ihn und es ist nur
verständlich, dass er in gewissem Maße Aufmerksamkeit auf sich ziehen
will. Spieler außerhalb der Weltspitze müssen auch immer sehen, wie sie
mit ihrem Geld auskommen und das ganze ist eine gute Gelegenheit für ihn
sich für mögliche Sponsoren interessant zu machen. Zumal er bei der WM
auch ein Land repräsentiert, dass seit James Wattana keinen
Achtelfinalisten mehr hatte und das auch außerhalb des Snookers nur
wenige international bekannte Spitzensportler aufweisen kann (mir fällt spontan zumindest keiner ein).
Er
begeistert die Zuschauer und selbst Spieler wie Mike Dunn und Judd
Trump haben sich positiv über ihn geäußert. Gegen Maguire hat er
vielleicht das beste Spiel seiner Karriere hingelegt, gegen White in der
ersten Session übermotiviert gewirkt - ist Bälle angegeangen, die er
besser nicht angegangen wäre und gegen Maguire auch nicht angegangen ist
- und hat hier und da auch etwas Pech gehabt. Ich glaube nicht, dass er
das Spiel wird drehen können und das Phänomen Jack Poomy wird damit von
begrenzter Dauer sein. Trotzdem hat es einen Heidenspaß gemacht ihm zuzusehen und ich freu mich auf die beiden ausstehenden Sessions mit ihm. Er hat die
WM um eine besondere Note bereichert.
Die Geschichte mit dem Foul: Er hatte ohnehin verschossen, von daher ... Wobei ich es auch sehr gut fand, dass er es angezeigt hat. Ich habe andererseits auch gehört, dass einige Spieler sich negativ geäußert haben sollen. Wie dem auch sei, natürlich macht es als Zuschauer schon Spaß, ihn spielen zu sehen. Aber übertreiben sollte er es nicht.
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